Kuchen für den Ministerpräsidenten

Zur Wahlbeobachtung in Armenien

Das hat es noch nie gegeben, dass der Geburtstag eines Politikers gefeiert wird, wie der eines Heiligen oder eines besonderen Helden. Da werden sogar Kuchen mit seinem Namen und dem Geburtsdatum drauf gebacken. In Armenien wird das gemacht, seit es Nikol Paschinjan auf der politischen Bühne gibt. Ihm gehört seit der so genannten samtenen Revolution im Frühjahr 2018 die Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Und jetzt hat er am 9 Dezember 2018 die vorgezogenen Parlamentswahlen gewonnen Mehr als siebzig Prozent hat sein Bündnis „Mein Schritt“ erreicht und damit die absolute Mehrheit. Dieser Ministerpräsident sei eine richtige Führungsperson, sagen die Leute. Er gebe dem Volk Perspektiven und werde den knapp drei Millionen Staat aus der Misere der postsowjetischen Zeit herausführen. Freilich in aller Freundschaft mit Moskau.

Ich war in der Wahlnacht dabei, um als Beobachterin der OSZE den Wahlverlauf zu verfolgen und zu berichten, ob alles auch mit rechten Dingen zugegangen sei. Es war eine spannende Nacht bis am frühen Morgen die Wahlzettel endlich gezählt waren. Ich war beeindruckt über die gute Organisation dieses Wahlgangs und den friedvollen, ungestörten Verlauf der Wahlen.

Hauswirtin Gohar freut sich über den Wahlausgang

Aber auch wenn wir internationale Beobachter nicht da gewesen wären, hätte es dieses Ergebnis gegeben, sagt meine Hauswirtin Gohar in Jeghegnadsor, im Südosten von Jerewan. Vor dem Fernseher haben Gohar, ihre Tochter Armeni sowie die ganze Familie ungeduldig auf die Ergebnisse gewartet. Jetzt sind sie glücklich. Sie freuen sich auf eine neue Ara in Armenien.

Armeni ist genauso glücklich wie ihre Mutter

Sie haben ein Haus, in dem sie Ferienzimmer für Gäste vermieten. In einem von ihnen habe ich gewohnt in dieser Zeit Wahlbeobachtung. Das Anwesen ist einfach, mit großem Garten, Hühnerstall, einem Hund, der von der Straße aufgelesen wurde, und einer Katze. Alles machen sie selber. Das schmecke ich beim dem prächtigen Frühstück mit den hausgemachten Marmeladen, dem guten Käse und Brot, dem armenischem Kaffee und allerlei anderen gebackenen Köstlichkeiten. Dazu kommen das wunderbare Umfeld, die Natur, die jetzt freilich im Dezember schläft, und der Blick auf die Berge.

Warum diese politische Entwicklung nicht schon früher möglich geworden sei, frage ich. Die Zeit sei nicht reif gewesen sagt Armeni. Es habe auch keinen echten fähigen Politiker gegeben. Deshalb seien sie ja auch früher nicht zu den Wahlen gegangen. Man wusste ja, dass man mit seiner Stimmer nichts bewegen konnte. Diesmal sei das anders.

Nikol Paschinjan, ist der Hoffnungsträger. Der frühere Journalist verfügt offenbar über politischen Fähigkeiten und eine Portion Charisma. Die Zeit wird zeigen, was die neue Ära in Armenien bringt. Auch ich bin neugierig …

 

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